Über Gasolin Connection

Gasolin Connection ist ein gerotztes «Trotzdem». Auf die verlässliche Phantasielosigkeit des deutschen Romans. Auf die affektierte Selbstinszenierung schnöseliger Pop-Bubis. Auf die Slam-Poetry, die in hiesigen Gefilden im besten Fall als Kabarett durchgeht.

Trotz dieser vielumfassenden poetischen Tristesse gibt und gab es im deutschsprachigen Raum interessante Figuren, die interessante Schreibe raushauen, leider aber kaum beachtet werden. Diesen sei diese Seite gewidmet. Sie und ihre Texte wollen wir hier vorstellen.

Ideeller Vorgänger ist einerseits die unregelmässig zwischen 1973 und 1986 erschienene Zeitschrift Gasolin 23, die von Carl Weissner, Jörg Fauser und Jürgen Ploog ins Leben gerufen wurde um «unabhängiges, nicht zensiertes Schreiben am Leben zu erhalten». Als Ort, wo sich alle Schreiber, lebende und gestorbene treffen. «Eine gute Gelegenheit, um unseren Kritikern zu antworten: es stimmt nicht, dass wir nichts von Literatur halten. Wir mögen nur nicht, was hier Literatur genannt wird. Wir mögen keine Leute, die sich für etwas halten. Statt dessen schreiben wir wie auf der Flucht (wie Kerouac sagte)», heisst es im Editorial der dritten Nummer, die im September 1974 von Jürgen Ploog und Walter Hartmann unter Mitarbeit von Fauser und Weissner herausgebracht wurde.

Anderseits las ich im vergangenen Jahr die Online-Romane «Death in Paris» von Carl Weissner und «Flesh Film» von Jürgen Ploog auf Reality-Studio, einem englischsprachigen Burroughs-Portal. Meine ersten Eindrücke waren: «Brillant! Aber warum bloss in Englisch? Warum gibt es im deutschsprachigen Raum nichts Entsprechendes?» Ende 2010 begleitete ich Weissner und Ploog zu Lesungen in Zürich und St. Gallen, die Florian Vetsch organisiert hatte. Beide interessierten sich für meine Idee so was aufzuziehen und sicherten mir Unterstützung zu.

Gasolin Connection will, neben Erstpublikationen von bekannten und unbekannten Schreibern, Texte wieder zugänglich zu machen, die vergriffen und auch antiquarisch schwer zu kriegen sind. Weiter werden vier Mal im Jahr gesammelte Texte zu einem Überthema zu lesen sein. Den Auftakt machten (lyrische) Nachrufe & Erinnerungen an den am 4. Januar 2011 verstorbenen Untergrund-Monolithen Hadayatullah Hübsch, sowie ausgewählte Texte aus seinem immensen Werk. Dann kamen die Gasolin-23-Hefte, die allesamt vollständig gescannt & virtuell zugänglich gemacht wurden. Der dritte Schwerpunkt setzte der im Frühjahr verstorbene Post-Beat-Multi-Media-Schamane Ira Cohen. Ein Cut-up-Special ist in Vorbereitung.

Möge es also beginnen: Wort steht. Bild formiert sich. Einfall in den deutschen Raum!

Pablo Haller

7 Antworten zu Über Gasolin Connection

  1. Gudix schreibt:

    Jürgen Ploog und Axel Monte haben mich hierher gelotst. Gefällt mir. Gudix

  2. Michael Wisotzki schreibt:

    Ab und zu, lohnt sich das stöbern im Internet. Zufällig auf Gasoline gestossen.
    Werde jetzt öfters bei euch tanken.

  3. onno ennoson schreibt:

    erfreulicher zufallstreffer,der mich hier hergeführt hat…freu mich schon,wenn ich die zeit finde,die gasolin 23-ausgaben zu verschlingen…:)
    dankeschön

  4. Jürgen Hellweg schreibt:

    FANTASTISCH !ENDLICH ! MEHR MEHR! Ich will auch hier schreiben. Wie geht das ?

  5. Kai Kraus schreibt:

    Hey, tolle Seite und ich schließe mich Jürgen Hellwig an: Ist es möglich Textbeiträge einzureichen?

  6. Bernhard Streit schreibt:

    Am Ende bleibt nur die Erinnerung –
    Once we were Heroes.

    • Peer Schröder schreibt:

      Die Erinnerung ist ja die Zukunft, lieber Bernhard. Oder, lustiger Weise, wie Burroughs flüsterte: history is fiction. Ich denke, kein Entweder-Oder: Wenn die Erinnerung nachlässt, geht es um die Freiheit. (Trompete 8, Hrsg. Theo Köppen u. a.)

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