La Loca: Postkarten an Carl Weissner

La Loca, *1950, Punk-Dichterin aus Los Angeles. Den Schimpfnamen hatte sie von ihrem Ex-Lover Andy Garcia, der sie angeblich blutig geschlagen hat.
Ihr Buch «Rote Sonne über Echo Park» (dt. von Pociao und Carl Weissner) erschien 1991 im Maro Verlag, Augsburg.

New York, Ende Januar 1991

Meine Lesung mit Jim Carroll am 6. Februar in der St. Mark’s Church bewerben sie in der Village Voice mit einem Zitat aus meinem Erfolgsgedicht (50 Seiten!) «Adventures on the Isle of Adolescence»  (es handelt von einem Date mit einem 15jährigen, der frisch aus der Besserungsanstalt ausgebrochen ist):
«Teenager sein, das ist, als wäre man aus der Epoche der Höhlenmenschen direkt auf den Rodeo Drive versetzt, mit nem Skateboard unter den Füßen, mit gerollten Porno-Comics in der Arschtasche und einem T-Shirt, auf dem steht: Eat Shit.»
Drück mir die Daumen. Das muss gut werden.

Los Angeles, 11. März 1991

Hier das Line-up für das schwedische Festival im Oktober. Sie zahlen 500 Dollar für ne halbe Stunde. Scheiße, letztes Jahr wär ich auch gern dabei gewesen: Kathy Acker, John Giorno, Henry Rollins …
In NY hatte ich volles Haus und war ein Hit. Jim Carroll ist im Stehen eingeschlafen. Wenn du auf Heroin bist, leidet bekanntlich die Spritzigkeit.
In Oslo trete ich mit einer Grunge-Band auf, die nennt sich BAFFLE THE HUN!

Los Angeles, 22. März 1991

David Salle (umseitig) ist mein neuer Favorit. Mein letztes Gedicht hab ich nach seinem Bild «Schwarzer BH» getauft.
Wenn du das nächste Mal von mir hörst, werde ich aus Hongkong und Japan schreiben. (Vielleicht schicke ich dir die Fernost-Reisedaten aus purer Angeberei. Und weil die Tournee schwieriger zu organisieren war als alle vorherigen. Ohne Reisestipendium komme ich bei so etwas immer in die Miesen, aber als Rampensau darf ich das nicht so eng sehen.)
Im Oktober kann ich wieder in Europa sein. Wann ist die Frankfurter
Buchmesse? Ist sie scheiße, oder muss man da hin?

Tokio, 21. April 1991

Israel ist kein Orgasmus. Im Gegensatz zu Hongkong, wo ich über Nacht berühmt geworden bin und den Lauf genutzt habe, um auf der Pferderennbahn zu gewinnen.
In Japan finden sie mich toll, aber nicht weil ich bombige Gedichte schreibe, sondern weil ich mal einen grausigen Krebs hatte und trotzdem noch am Leben bin.
In Shibuya kriegst du Säuglinge zum Totficken. Die Entsorgung der Leiche ist im Preis schon mit drin.

Tokio, 23. April 1991

Der Brunzdumm-Koeffizient von Heidelberg ist noch immer unerreicht.
Da ich die Hälfte jeder Lesung auswendig bestreite, sage ich jetzt immer vorweg: «In Heidelberg bin ich einmal erbost von der Bühne gestürmt, weil sie im Saal geschwätzt haben. Wie es scheint, wird man dort nur ernst genommen, wenn man vom Blatt liest. Scheiß auf so ein Publikum.»
In Kobe habe ich vom Bett einen Teil des Sternenhimmels sehen können und dabei wild onaniert.

Berlin, 6. Juni 1991

Hier ein fabelhaftes Foto von dir, backstage im Amerika-Haus Frankfurt. Du bist einer der besser aussehenden Typen in diesen Breiten, du getigerter Sauhund. Ich kann mich irren, aber vorläufig bleib ich dabei.
Die Akustik war zum Steinerweichen, aber sonst ging’s.
Ich schreibe nichts mehr. Ich fahr an nen Fjord und stürz mich von den Klippen.

Stockholm, 12. Juni 1991

TAKE THAT, LEDA

Er warf sich auf mich
Seine gefiederte Brust prall wie der
Bug einer Galeone
Seine Schwimmhäute schmatzten
An mir; er stieß mich mit den
Knien.
Wir balgten uns stundenlang um den
Wünsch-dir-was-Knochen
Ich kriegte dicke Schenkel
Sein Schnabel schmeckte
nach Hund.

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