Abgegriffen

Von Alfred Hackensberger

Wieder mal in einer ungeheizten Zelle bis auf die Unterhose ausgezogen auf der kalten Plastikmatte über der Betonpritsche. An den Wänden die Hinterlassenschaften meiner Vorgänger. Botschaften, die ich gar nicht lesen will, da sie nur an die unglaubliche Zeit erinnern, die man hier vergeuden muss. Wieder mal aufgegriffen auf der Strasse, Handschellen, weggefahren, auf der Wache Ganzkörperrazzia und nach einem hier geht’s lang mein Freund weggesperrt. Man gewöhnt sich an das Procedere, aber das Gefühl einer Ratte im Käfig bleibt und vor allen Dingen der Ekel, der Abscheu vor den Menschen, die einen in die winzige Quadratmeterschachtel zwingen, in der man nicht mehr das ist, was man vorher war. Man wünscht ihnen alle Plagen dieser Erde und manchmal auch den Tod. Dabei ist es nicht viel, was man verliert, wenn die Tür zugemacht wird. Solange man jedenfalls weiß, es werden keine Monate oder Jahre daraus. Mal sehen, wie lange sie mich heute noch schikanieren, barfuss und in Unterhose in diesem kalten Loch. Gefunden haben sie nichts.

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