Starstream Editions Ex Oriente

 Von Pablo Haller

In Beat-interessierten Kreisen ist Axel Monte fürwahr kein Unbekannter. Er gab die legendären Copy-Art-Magazine «Rude-Look» und «Rude-Look Oriental» heraus, übertrug zusammen mit Thomas Stemmer «You Can’t Win» von Jack Black, eines der Bücher, die Burroughs‘ literarischen und persönlichen Werdegang am meisten beeinflussten, ins Deutsche. Er schrieb zusammen mit Hadayatullah Hübsch «Asphalt Derwisch», schrieb Mesostichen durch einen Essay von Jürgen Ploog, was unter dem Namen «Sprache ist ein Virus» veröffentlicht wurde. Seit 2009 betreibt Monte den Kleinverlag Books Ex Oriente, wo neben Aufsätzen über nah- und fernöstliche Märchen, Mythen, Mystik oder die Dob-Dob, die Kriegermönche von Tibet, auch Prä- & Postbeat veröffentlicht wird. «Gesetzbuch und Ganovenehre» beispielsweise, ein Aufsatz von Jack Black über den Ehrenkodex der Unterwelt, mit einem Nachwort von Jürgen Ploog. Oder Florian Vetschs «Carnet de Fes», ein Marokko-Tagebuch, ein Reflex auf die unmittelbaren Erfahrungen des Autors, in dem zwischen sprachlich virtuosen Alltagsbildern, verschnitten mit der Exotik von «Europas Mexiko», mit einer angesäuselten Leichtigkeit Begegnungen mit alten Freunden, Künstlern und Intellektuellen, private Korrespondenz und Lektüre tänzeln.

Soeben erschien in Books Ex Oriente «Das grosse Reispapier-Abenteuer von Kathmandu», ein vierzehnseitiger Essay vom im April dieses Jahres verstorbenen Post-Beat-Dichter und Multi-Media-Schamanen Ira Cohen, über die Zeit, in der er in Nepal Erstausgaben von Werken von u.a. Gregory Corso, Paul Bowles oder Angus MacLise auf Reispapier herausbrachte. «Wir beabsichtigten zwar lediglich dem Ort einen kurzen Besuch abzustatten, verfielen aber dem Zauber dieses Shangri-La im Himalaya, wo es uns leicht fiel zu glauben, dass wir, solange wir dort lebten, für immer jung bleiben und Gedichte schreiben würden, bewegt von der Magie hohen tantrischen Strebens unter dem blauen, von Wolken beflockten Himmel, oben, auf der Dachterrasse der Welt», schreibt Cohen im Nachhinein. Der Essay beschreibt Cohens Kathmandu-Zeit von den Anfängen der Künstlerkolonie zu Beginn der 1970er Jahre an der berühmt berüchtigten Freakstreet, bis zum Tod von Angus MacLise, 1979 zur Zeit der Sommersonnenwende. Die Schrift versammelt technische Aspekte und Anekdoten und endet mit diesem Gedicht von Katie McDonald:

on dreamers!
waken or die
only the SKY
is open to you now
UNITE
or you may
never know

Angehängt ist ein alphabetisches Verzeichnis der Werke, die in Cohens Reispapier-Handpresse, der Bardo Matrix, den Starstream Editions, erschienen.

Im Nachwort schreibt Cohens Freund und deutscher Übersetzer Florian Vetsch wie der Erstkontakt zustande kam. Schreibt über das erste Treffen in Erlangen, wo Cohen mit der Nadine Ganase Dance Group durch Europa tourte. Schreibt über Cohens Einflüsse, die mehr bei der Wortalchemie, bei Dada und dem Surrealismus, denn bei den Beats liegen. Dazu liefert Vetsch eine Kurzbiographie und endet mit einem Bericht des Musikers Ira Landgarten, dass an Cohens Beerdigung ein einzelner Falke seine Kreise über dem offenen Grab trug und sich schliesslich vom Aufwind emportragen liess.

Alles in allem ein schmuckes kleines Büchlein, ein kleiner Schatz, der den Geist der 1970er atmet, der, wie die katholische Osterkerze, eine Flamme vom originalen Feuer weitergibt.

 

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