literaturhistorie. ein spiel.

von pablo haller

just another night … die pritsche ist hart, er atmet gleichmässig … maleen sitzt auf der kante & streichelt ihm übers haar… maleen mit ihrer sanften hand … maleen ist nicht da …. bloss er & der mond, draussen vor dem fenster & der fernseher der in die dunkelheit der zelle flimmert … mtv, falco singt: wer hat verloren? du dich, ich mich oder wir uns? … eine puppe fällt auf nen gulli, es regnet (in farbe), falco mit hut, mantel & gereckter rechter faust (in schwarz-weiss) …

es hätte auch anders kommen können … kommen können … «handeln … alleine darum geht’s», denkt er sich … sie wollen unser schönes magisches theater doch nicht mit realität besudeln? … «die realität soll rot von den wänden laufen … sie soll als vermischte teile von hirn & schädeldecke aufs publikum niederregnen … man reiche mir ein maschinengewehr, um diese blasierte kritikerfresse umzunieten …» & so geschieht es … kein zurück … gedankenloses handeln … mechanische action … BOOM! BOOM! BOOM!RATATATATATATATA …. der moment schrumpft zu einem punkt zwischen den augen des gegenübers …

fassbinder wird’s später verfilmen … 1973, nach «martha» … mit el hedi ben salem als M.R.R. & sich himself als R.D.B. … hanna schygulla spielt maleen … der junge carl weissner, der brinkmann die waffe reichte, verkörpert franco nero … BOOM! BOOM! BOOM!RATATATATATATA

der vecheta-witchman, der vortex im deutschen wort-tümpel wird in einem aufsehen erregenden prozess des totschlags im affekt schuldig gesprochen & zu sechseinhalb jahren verurteilt … martin walser waltet als prozessbeobachter für die bildzeitung … die honorare für «keiner weiss mehr», das nach dem geglückten attentat zum bestseller avanciert, gehen für anwaltskosten & schmerzensgeld für tosia drauf, die sich unter viel getöse als «witwe der nation» durch die tv-talkshows reichen lässt …

«brecht aus den staatlichen hör-kz’s aus», fordert eine männliche stimme mit bayrischem akzent, die sich in sämtliche sender gehackt hat, kurz bevor die bombe auf schloss dobris hochgeht, wo die von der gruppe 47 ihren hofkritikern die jüngten ergüsse aus knitterfreien manuskripten verlesen … bachmann, böll & walser in fetzen … der alte ss-mann grass weiss was zu tun ist … das feigenblatt als gewissen deutschlands abgelegt, rennt er nackt & schrumplig im kreis, hält sich die hände an den kopf & schreit …

draussen schiessen die sowjets den frühling über den haufen … & der aus dem reich eingeflogene SDS skandiert «dichter! dichter!» & «die gruppe 47 ist ein papiertiger!» … selbst hält man sich dort für eine «art avantgarde» …

peter bichsel grummelt «föck öff» & klettert über die körperteile richtung nächster spunten …

frei ist man heute
nur noch in der beiz
ob in ungarn
oder in der schweiz

«der kampf um die deutsche literatur wurde nie zwischen buchdeckeln geführt … dies ist bloss die – logische – nächste stufe …» die fiktion als gymnastikschlauch … die fiktion ausdehnen, bis sie reisst & die beiden enden der «realität» gehörig was auf die ohren geben …

erlebnisse sind auch bloss samples, die worten unterlegt werden … brinkmann auf der pritsche … die sicht aus dem fenster: westwärts … maleen liegt daneben, küsst ihn auf die stirn, den mund, den hals … maleen mit ihren weichen lippen … maleen ist nicht da … er wird bleiben … er bereut nicht … «mektoub», sagen die marokkaner … «es stand geschrieben» …

1999 wird man ihm den nobelpreis für literatur verleihen … dreiundzwanzig jahre nachdem ihn bill burroughs erhielt … nicht, dass das wahnsinnig wichtig wäre, aber es zeigt, dass sich etwas getan hat … für die deutsche literatur ist nicht 45, nicht 47, sondern 68 stunde null … als die kugeln eines sturmgewehr 44 marcel reich-ranikis kopf zerfetzen … als vermischte teile von hirn & schädeldecke aufs publikum niederregnen … die geburt der literatur in der terroristischen TAT … «am anfang war die tat», übersetzte dr. faust … sie wollen unser schönes magisches theater doch nicht mit realität besudeln? … why not, goddammit!? … rolf-dieter lächelt … warum eigentlich nicht?

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Eine Antwort zu literaturhistorie. ein spiel.

  1. carl weissner schreibt:

    heisser scheiss, comandante nero. da gehts lang.

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