Brief an Burroughs Honolulu, 23. Dezember 1968

Von Carl Weissner

Yes, I killed him. The bullet took half his face away. He coughed a spray of bright red blood from his shredded nose. Never should have thrown in with the creep. I wonder why I went to the trouble. In this town you can pull a plastic bag over a guy’s head and lash it airtight with duct tape and sit on his chest until he stops moving, and the cops will write it off as a suicide.

Ich habe mir einmal vorgenommen, keine Träume aufzuschreiben. Here goes …
Ein namenloses Dorf westlich von Mainz. Herbst. Nacht.
Ich bin zu Fuß unterwegs, was mich immer ärgert, erst recht wenn ich nicht weiß, warum.
Mein Verstand sagt mir, dass ich unmöglich so blöd sein kann, bei Nacht, zu Fuß, an unbekanntem Ort…
Aber was ist schon der Verstand. Sogar E.M. Cioran zweifelt daran.
Montgomery Clift (Hauptrolle und Regie) dreht einen Spionagefilm. Nein, die Pressemitteilung, am Kirchenportal angeschlagen, besagt, dass es um einen Ost-West-Thriller geht.
Um die Kurve der Landstraße da unten wird irgendwann ein Fernfahrer mit seinem Sechsachser kommen, und auf der nächsten Autobahnbrücke begegnet ihm ein Nato-General, der in seinem Dienstfahrzeug (Lincoln Continental, olivgrün-dunkelgrau, mit Standarte) auf dem Weg zum Hauptquartier in der Nähe von Brüssel ist. Wenn sie auf gleicher Höhe sind, werden Sprengladungen an der linken Seite des Lastzugs ferngezündet, und die Nato hat einen Kalten Krieger weniger.
Verhindern kann das nur einer: M. Clift. Mit seiner hochentwickelten Fähigkeit zu außersinnlicher Wahrnehmung.
Im Moment ist er beschäftigt mit seiner minderjährigen Hauptdarstellerin, die aussieht wie eine Inka auf alten spanischen Kupferstichen, und zwar auf einer Wiese neben dem Gasthof zum Adler, wo die Mägde bei Sonnenschein die Bettwäsche zum Trocknen und Bleichen auslegen.
Mittendrin hebt er den Kopf und verharrt. Die Kamera senkt sich herab. Er ist kaum noch zu erkennen.
Seine Augen sind schwarze Löcher, wie die verrußten Mündungen einer frisch abgefeuerten doppelläufigen Schrotflinte. Aus der rechten Öffnung kräuselt sich noch ein wenig Pulverqualm.
Es ist klar, dass er Witterung aufgenommen hat. Oder seine Ladung verschossen. Oder beides. (Will Hollywood Never Learn?)
Er kniet zwischen den Schenkeln seiner Inka und betrachtet seinen Schwanz, der einen rußigen schimmeligen Belag aufweist.
«Sie ist ne Außerirdische», sagt er zu den Dorfbewohnern hinter der Absperrung. «Sie verschimmelt mir den Schwanz, aber das isses mir wert.»
In der Ferne zerreißt es einen Nato-General.

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Eine Antwort zu Brief an Burroughs Honolulu, 23. Dezember 1968

  1. Honolulu Joe schreibt:

    Die Phantasien dieses Kerls sind zum Fürchten. Fetch gasoline, boys! We gotta burn the un-American critter before he…..AAAARRRGGGGH!

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