Gasolin 23

Gasolin 23 war die deutsche Untergrundzeitschrift. Die erste Nummer wurde von Jürgen Ploog, Jörg Fauser und Carl Weissner herausgegeben, die folgenden von Jürgen Ploog und Walter Hartmann, unter der Mitarbeit von Fauser und Weissner. Schwerpunktthemen waren die Beat- & Cut-up-Literatur. Hauptsächlich mit Beiträgen von Autoren deutscher Zunge oder Übersetzungen aus dem Amerikanischen. Von Gasolin 23 erschienen in unregelmässigen Abständen zwischen 1973 und 1986 insgesamt acht – die erste zählt nicht – Ausgaben.

Namensgeber der Zeitschrift war Gregory Corsos Gedichtband «Gasoline», dessen Titel eingedeutscht und mit William S. Burroughs‚ Fetischzahl 23 kombiniert wurde.

Im Vorwort von Gasolin 23 #3 schreibt Ploog die Zeitschrift sei erfunden worden um «unabhängiges, nicht zensiertes Schreiben am Leben zu erhalten». Als Ort, wo sich alle Schreiber, lebende und gestorbene treffen. «Eine gute Gelegenheit, um unseren Kritikern zu antworten: es stimmt nicht, dass wir nichts von Literatur halten. Wir mögen nur nicht, was hier Literatur genannt wird. Wir mögen keine Leute, die sich für etwas halten. Statt dessen schreiben wir wie auf der Flucht (wie Kerouac sagte)». Ab Nummer 4 (Raymond-Chandler-Special, 1976) gabs Themennummern: Stories (’77), Gedichte (’78), Träume (’79), Reisen (’82). Motto der letzten Ausgabe (’86) war Deutschlandralley.

Ein wichtiger Vorläufer war die von Carl Weissner redigierte Zeitschrift Klactoveedsedsteen, benannt nach einem Stück von Charlie Parker, die er laut Eigenaussage gründete, damit er was hatte, das er mit seinen Komplizen in Übersee austauschen konnte, weil er es finanziell nicht vermochte, all diese kleinen Fanzines zu abonnieren.

Heute kriegt man die meisten Ausgaben nirgends mehr und wenn zu horrenden Preisen. Wir von Gasolin Connection wollen dieses wichtige Stück Geschichte der deutschen Untergrundliteratur wieder zugänglich machen. Und hoffen dabei, dass wir zumindest einige Schreiber inspirieren können, «den Anteil an Fiction in ihrem Leben auszuweiten, so weit es geht», wie es Carl Weissner so schön in einem Radiointerview formulierte.

Dort fuhr er weiter: «Es ist mein Bestreben, dem Leben ein bisschen unter die Arme zu greifen, es interessanter zu machen, als es ist. Das ist anders als in der Bundesrepublik, wo man 400.000 Bücher verkaufen kann, indem man den Lesern nacherzählt, wie die Leser selber sind: Ein Ehepaar, das sich auseinandergelebt hat, fährt in den Süden und wartet, dass sich etwas ändert. Es passiert aber nichts. 500 Seiten lang. Das wird gern gelesen, weil Leser dann das Gefühl haben, kunstfähig zu sein, literaturfähig. Nicht für Geld und gute Worte würde ich denen nach dem Mund schreiben. Da hat der Schriftsteller den Beruf verfehlt, wenn er das macht.»

Gasolin 23 ist ein blendendes Beispiel für Literatur, die dem Leben unter die Arme greift. Sämtliche Ausgaben sind hier als Pdf zugänglich.

Gasolin 23

#1 (kursierte bloss intern)

#2

#3

Nummer 3 übrigens, wurde so beworben.

#4 (Raymond-Chandler-Special)

#5 (Story)

#6 (Poetry)

#7 (Träume)

#8 (Reisen)

#9 (Deutschlandralley)

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2 Antworten zu Gasolin 23

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